Die durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen der letzten Monate tangierten sämtliche Lebens- und Wirtschaftsbereiche.

Besonders die Kreuzfahrtindustrie leidet unter dem Lockdown in einem bisher unvorstellbaren Umfang. Alle Kreuzfahrtschiffe liegen ohne Beschäftigung auf, und ein Ende des Stillstands ist nicht abzusehen. Immerhin, einen Hoffnungsschimmer gibt es, die Reedereien melden für 2021 steigende Buchungszahlen. Es bleibt abzuwarten, ob ein stabiler Neuanfang bevorsteht.

Celebrity Eclipse - ohne Abstandsregeln auf dem Lawn Club

Celebrity Eclipse - ohne Abstandsregeln auf dem Lawn Club


Kreuzfahrtunternehmen sind gefordert

Soeben hat das Bundeskabinett die Verlängerung der weltweiten Reisewarnung bis zum 31. August 2020 beschlossen. Ausgenommen sind die Mitgliedsstaaten der EU, die Schengen-assoziierten Staaten und das Vereinigte Königreich. Es wundert deshalb nicht, wenn führende Kreuzfahrtanbieter den Schiffsbetrieb wiederholt hinauszögern. Zuletzt hat Cunard Kreuzfahrten bis zum November 2020 ausgesetzt.

cunard queen victoria vor santorin

Cunard Queen Victoria vor Santorin


 

Kreuzfahrtreedereien planen trotz alledem die Wiederaufnahme des Regelbetriebs. Eine Alternative zu den bisher gewohnten Routenführungen sind Kreuzfahrten von kurzer Dauer und das Anlaufen von Häfen eines Landes. Kreuzfahrten ohne Hafenstopp sind ebenfalls eine – wenn auch unattraktive – Möglichkeit. Neben den Planspielen zu den möglichen Häfen denkt die Branche über erweiterte, verbesserte Hygienekonzepte an Bord der Schiffe nach. Nicht auszuschließen ist, dass bestimmten Risikogruppen zukünftig verwehrt wird an Bord zu gehen.

hal koningsdam anstehen zum bording
 Anstehen zum Boarding


Unabdinglich: Verschärfte Hygienemaßnahmen an Bord der Schiffe

Verschärfte Hygienemaßnahmen an Bord der Schiffe sind zukünftig unabdinglich. Derzeit ist unklar, wie diese zu handhaben sind. Mindestabstand und Masken bleiben fürs erste wohl erhalten. Es wird zudem erwogen, die Zahl der Passagiere auf die Hälfte oder weniger zu begrenzen. Für die Reedereien wäre das ein Alptraum, für die Gäste hingegen ein unvergleichlicher Vorteil. Denn mehr Raum bedeutet mehr Privatsphäre und Schutz vor Ansteckungen. Klassische SB-Restaurants dürften als möglich Ansteckungsherde bis auf Weiteres der Vergangenheit angehören. Die Reedereien planen Selbstbedienung-Optionen zu unterbinden.

celebrity eclipse oceanview cafe chef s daily special

Celebrity Eclipse - Anstehen im SB-Restaurant war gestern


Kommt das Come Back der Kreuzfahrtunternehmen?

Kreuzfahrtschiffe liegen mit Notbesatzung auf und verursachen nur Kosten, keine Erträge. Unter normalen Bedingungen tragen unterschiedliche Einnahmequellen zum Gesamtumsatz der Kreuzfahrtschiffe bei. Einige Kreuzfahrtschiffe haben Kasinos an Bord, die ebenfalls einen bedeutenden Anteil des Umsatzaufkommens generieren.

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Koningsdam Casino


In den letzten zehn Jahren verzeichnete die Branche ungeahnte Passagierrekorde. Kreuzfahrten entwickelten sich zu einem Markt für breite Bevölkerungskreise. Immer mehr Kreuzfahrtschiffe, darunter viele Megaschiffe, wurden gebaut. In den Bilanzen der Unternehmen häuften sich schwindelerregende Verbindlichkeiten an. Vor Corona stellte all das kein Problem dar. Wie sieht es aber nach der Pandemie aus? Kommt eine neue Ansteckungswelle, und werden erneut Schutzmaßnahmen verfügt?

carnival legend vor belize

Carnival Legend vor Belize


Die Zukunft der Kreuzfahrtbranche liegt im Ungewissen. Fest steht, dass jedes der drei großen weltweit operierenden Unternehmen monatlich dreistellige Millionenbeträge für den Unterhalt der aufliegenden Schiffe aufwenden muss. Die liquiden Mittel der Konzerne sind jedoch begrenzt. Die Zeit der kapitalkräftigen Investoren ist gekommen. Anfang April ist der Staatsfonds von Saudi Arabien zu guten Konditionen beim Weltmarktführer Carnival eingestiegen.


Autor: Karl W. P. Beyer