Cartagena – Spanisches Erbe in Kolumbien

Mit mehr als 1,1 Millionen Quadratkilometern übertrifft die Fläche Kolumbiens die von Deutschland um das 3,2-Fache. Kolumbiens Seegrenzen verlaufen im Westen entlang des Pazifiks und im Norden entlang des Karibischen Meers. Dort liegt die berühmte Hafenstadt Cartagena de Indias. Sie ist die sehenswerteste Stadt Kolumbiens und gilt als eine der schönsten Städte Südamerikas.

Von spanischen Eroberern im Jahr 1533 gegründet, gewann sie wegen ihrer strategischen Lage schnell an Bedeutung. Cartagena entwickelte sich zu einem führenden Hafen, von dem aus zweimal im Jahr die von den Eroberern zusammengerafften Wertgegenstände ins spanische Mutterland verschifft wurden.

In jenen unsicheren Zeiten lauerten Freibeuter und Piraten überall vor den Küsten und auf den Meeren. Angriffe auf Küstenstädte waren an der Tagesordnung. Folglich mussten sich die spanischen Landesherren um eine effiziente Stadtbefestigung in Form von Mauern und Wallanlagen sowie insgesamt 29 Forts kümmern. Deren Relikte tragen heute noch zum Stadtbild der circa eine Million Einwohner zählenden Stadt bei.

Kreuzfahrtschiffe laufen den freundlich gestalteten, stadtnahen Terminal de Cruceros an. Er liegt nur circa vier Kilometer vom historischen Stadtzentrum entfernt auf der Isla de Manga.

 

Ein Tag in Cartagena

Ein absolutes „Muss“ ist die Besichtigung der historischen Altstadt. Wenn dann noch Zeit und genug Energie vorhanden sind, bieten sich Ausflüge zum Castillo San Felipe und zum Convento de la Popa an.

Die Erkundung der Altstadt lässt sich im Rahmen von dreistündigen, geführten Touren absolvieren. Wir empfehlen allerdings individuelle Rundgänge durch die autofreie Zone der Altstadt. Wer sich für eine solche Privattour entscheidet, findet vor dem Cruise Terminal Taxistände. Nur wenige Minuten dauert die Fahrt und schon steht man vor dem Haupttor der Stadtmauer und dem Zugang zur Stadt.

Spätestens dort erkennt der Besucher, dass Cartagena eine für Touristen sichere Stadt ist. An Tagen, an denen Kreuzfahrtschiffe die Stadt anlaufen, wird die Präsenz der Ordnungskräfte und der Touristenpolizei zusätzlich sichtbar verstärkt.

 

Die bemerkenswertesten Bauwerke und Plätze im historischen Zentrum Cartagenas

  • Seit dem Jahr 1984 ist die von gewaltigen Mauern und Bastionen umgebene Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadtviertel El Centro, San Diego und Getsemaní bilden den historischen Stadtkern. Im Viertel El Centro liegen die Kathedrale, die meisten historischen Gebäude und die schönsten Plätze.

  • Das Wirken der spanischen Kolonialherren war ständigen Bedrohungen durch Freibeuter und Piraten ausgesetzt. Daraus erklärt sich das Bedürfnis, die Stadt wirksam zu befestigen. Eine gewaltige Stadtmauer mit Bastionen umgibt die Altstadt. Es dauerte etwa 200 Jahre, um die Mauer zu errichten. Der Haupteingang zur Altstadt ist der Uhrenturm an der Puerta yTorre del Reloj.

  • Cartagenas der Heiligen Katharina vonAlexandria gewidmete Kathedrale ist ein bemerkenswertes Bauwerk und lohnt einen Besuch (Audioguides sind verfügbar). Es heißt, die KlosterkircheSanto Domingo sei die zweitälteste Kirche Cartagenas. An ihr wurde 200 Jahre gebaut. Auch die Iglesia de San Pedro Claver sollte man gesehen haben. Der Namensgeber der Kirche, der Priester und Arzt Claver, trat bereits in frühen Zeiten für die Rechte der Sklaven ein.

  • Präkolumbianische Goldobjekte werden direkt neben der Kathedrale im Museo del Oro ausgestellt. Verantwortlich dafür zeichnet die kolumbianische Staatsbank. Ein prächtiges Äußeres weist der im Jahr 1770 erbaute Inquisitionspalast auf. Er erinnert an die dunkle Seite spanischer Machtausübung. Nahe der Bastíon de Cartagena liegen das Gebäude der Universidad deCartagena und das Heredia-Theater, dessen Namen an den Stadtgründer erinnert.


Die bedeutenden Plätze der Altstadt von Cartagena:

  • Die Plaza de los Coches; dort wurden afrikanische Sklaven gehandelt.

  • Die Plaza de la Aduana mit dem Kolumbusdenkmal. Der Platz ist von einem Ensemble feiner, kolonialer Architektur umstanden.

  • Die Plaza de Bolivar. Der nach dem Freiheitskämpfer Simon Bolivar benannte Platz und Park ist von hohen Bäumen bestanden. An ihm liegen die Kathedrale, das Museo del Oro und der Inquisitionspalast. Ein Reiterdenkmal präsentiert den Freiheitshelden.

 

 

Castillo de San Felipe de Barajas

Unter den vielen von den Spaniern in Cartagena errichteten Festungen ragt das Castillo deSan Felipe de Barajas hervor. Es liegt außerhalb des historischen Zentrums in beherrschender Position auf dem Lazaro-Hügel. In sieben Bauabschnitten entstand seit Mitte des 16. Jahrhunderts im Verlauf von mehr als 200 Jahren die wirkungsvollste, weil unbezwingbare Verteidigungsanlage Cartagenas. Die Außenarchitektur beeindruckt durch spitze Winkel und überhängende Verteidigungslinien. In Inneren der Anlage verlaufen unterirdische Gänge über eine Länge von mehr als vier Kilometern. Die gigantische Anlage ist von außen und innen zu besichtigen.

Während die Temperaturen im unterirdischen Gängesystem der Festung gut zu ertragen sind, herrschen im Außenbereich häufig tropische Temperaturen. An einem Besucher-Leitsystem mangelt es leider. Ein Audioguide und eine Karte der Festung, diese ist unentgeltlich erhältlich, sind von großem Nutzen.

 

Convento de la Popa

In 148 Meter Höhe liegt außerhalb der Stadt das Convento de laPopa. Mit dem Bau des Klosters wurde im Jahr 1606 begonnen. Er soll sechs Jahre gedauert und 15.000 Dukaten gekostet haben. Für damalige Verhältnisse eine unvorstellbare Summe. Die Klosterkirche ist der Virgen de la Candelaria geweiht. Die Jungfrau sollte die Stadt vor der Pest und den Piraten schützen.

Aus großer Entfernung gleicht das Bauwerk einer Burganlage, weshalb es wohl immer wieder von Piraten angegriffen wurde. Wer den Weg hinauf zum Kloster nicht scheut, wird mit dem schönsten Blick auf Cartagena belohnt.

 

Schwimmen vor Cartagena

 Des Schwimmens wegen würden wir nicht nach Cartagena fahren. Wen es angesichts des unbeschreibbar blauen Meers und fantastischer Temperaturen dennoch an einen Strand zieht, dem seien folgende Strände empfohlen:

Der lange Strand von Cartagenas Hotelzone Bocagrande. Die Qualität überzeugt dort aber nur bedingt.

Die Stände von La Boquilla und Manzanillo. Beide liegen im Norden Cartagenas und sind leicht mit einem Taxi zu erreichen .

In 20 Kilometer Entfernung liegt der Strand Playa Bianco. Mit dem Taxi oder einer sporadisch verkehrenden Fähre ist dieser schöne Strand ebenfalls gut zu erreichen.

Einen guten Strandtag erlebt man auf den südlich von Cartagena gelegenen Islas deRosario. Die langen Strandabschnitte eignen sich für einen unbeschwerten Aufenthalt. Sie sind mit dem Schiff ausgehend an der Muelle de los Pegasos (vor der Puerta y Torre de Reloj) zu erreichen.

 

Cartagena – Gut zu wissen

Schiffe bedeutender Kreuzfahrtmarken, darunter Celebrity Cruises, Hapag Lloyd, Oceania, Silversea, laufen regelmäßig Cartagena an. Für das Jahr 2015 sind weit mehr als Hundert Schiffsanläufe vorgesehen.

Kolumbien genießt als Reiseland im Allgemeinen nicht den besten Ruf, und Cartagena im Besonderen geht es nicht viel besser. Im Internet kursieren teilweise haarsträubende Schilderungen. Unser Rat ist, solches schlichtweg zu ignorieren. Niemand läuft Gefahr, an Leib und Leben Schaden zu nehmen. Besorgte Gemüter sollten die von den Reedereien angebotenen geführten Touren buchen. Die anderen fahren mit dem Taxi ins historische Zentrum und durchstreifen dieses ohne Gefahr. Lediglich die Kaufaufforderungen der vielen Straßenhändler gilt es freundlich und bestimmt abzuwehren. Zum Schutz der Touristen zeigt die Polizei Präsenz.

 

 

 

Cartagena – Land & Leute, Fakten

An Fläche misst Cartagena 572 km². Zum Vergleich: Deutschlands zweitgrößte Stadt, Hamburg, weist 755 km² Fläche auf. Cartagena liegt nordöstlich der zentralamerikanischen Landbrücke an einer weitläufigen Bucht des Karibischen Meers. Bedingt durch die geografische Lage konnte die Stadt in den frühen Kolonialzeiten gut gesichert und verteidigt werden.

Für das Jahr 2005 wurde die Einwohnerzahl mit 950.000 angegeben. Neuere Erhebungen sprechen für die Metropolregion Cartagena von mehr als 1 Millionen Einwohnern. Unter den größten kolumbianischen Städten nimmt Cartagena den fünften Rang ein.

Die Jahreszeiten sind nicht sonderlich ausgeprägt. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 27, 5º Celsius. Im Juli werden mit durchschnittlich 32º die höchsten und im Januar mit 23º die niedrigsten Temperaturen gemessen. Die besten Reisezeiten sind Januar bis April, der September und der Zeitraum November und Dezember. In den genannten Monaten ist die Kombination aus Temperatur und Niederschlagsmenge die für Touristen erträglichste.

Kolumbiens Landessprache ist das Spanische. In Touristenregionen wie Cartagena kommt der Tourist mit Englisch weiter.

Die Landeswährung ist der Kolumbianische Peso (COP). Im Juli 2014 entsprechen circa zweieinhalb COP einem Euro. Der US-Dollar ist allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel.

Cartagenas hauptsächliche Wirtschaftszweige sind die Hafenwirtschaft und der Tourismus. Vor der Küste wird Öl gefördert. Dies hat zum Aufbau einer Erdöl verarbeitenden und petrochemischen Industrie beigetragen.

Wir empfehlen zur Fortbewegung Taxen. Die Preise sind festgelegt. Preistafeln findet man z. B. am Kreuzfahrt-Terminal. Im Jahr 2012 waren für die kurze Strecke vom Hafen ins Zentrum 10 US-Dollar festgelegt worden. Die amtliche Preisfeststellung hinderte die Taxifahrer jedoch nicht, 15 bis 20 Dollar für die einfache Fahrt zu verlangen. Ein gutes Beispiel, wie Angebot und Nachfrage den Preis regelen. Für den Rückweg am Nachmittag galten dann die „offiziellen“ Fahrtpreise.

Smaragde, kolumbianischen Kaffee, kubanische Zigarren oder Repliken kolumbianischer Antiquitäten kauft man auf der Halbinsel Bocagrande im Centro Comercial Pierino Gallo.

 

Unser Fazit

Cartagena ist ein absolutes Highlight. Eine großartige historische Stadtanlage; beispielhafte Sauberkeit, freundliche Menschen und nette Restaurants machen Cartagena zu einem unvergesslichen Erlebnis.


Autor: Karl W. P. Beyer