Bonaire – Die mittlere der niederländischen ABC-Inseln

 „Ein mit unübertroffener natürlicher Schönheit gesegnetes Eiland“, heißt es in der vollmundigen Sprache der Werbetexter. Gemeint ist damit Bonaire, die mittlere der drei ABC-Inseln. Wir sind beinahe am Ziel, unser Kreuzfahrtschiff gleitet an der kleinen, unbewohnten Insel Klein Bonaire vorbei, um kurz danach an Kralendijks Pier anzulegen. Kralendijk, zu Deutsch „Korallendeich“, ist Bonaires Hauptstadt. Der Ort zählt ungefähr 10.000 Einwohner.

Was gibt es auf Bonaire zu sehen? Auffällig sind einige Hügel im Nordwesten der Insel, die höchste Erhebung ist der 241 Meter hohe Brandaris, die weitläufige Kakteenwüste und die flache, karge Landschaft im Inselsüden mit der Salinenwirtschaft. Auf bemerkenswerte Bauwerke, Objekte des UNESCO-Welterbes oder aktive Vulkane, muss der Besucher Bonaires verzichten. Kralendijk wirkt auf den ersten Blick überschaubar und aufgeräumt. Und später an Land werden wir sehen, dass es auf der ganzen Insel nicht eine Verkehrsampel gibt.

Bonaire – Kein Strandtag auf Bonaire

Das 39 Kilometer lange und vier bis elf Kilometer breite Bonaire gilt im internationalen Vergleich als Paradies für Taucher und Schnorchler. Mit 80 ausgewiesenen Tauchplätzen zählt Bonaire weltweit zu den zehn schönsten Tauchgebieten.

Wir aber sind weder Taucher noch Schnorchler; was sollen wir an diesem Tag auf Bonaire unternehmen? Trotz idealer Wasserbedingungen eignet sich Bonaire nach unserer Einschätzung mangels attraktiver Strände weniger für einen entspannten Strandtag. Stattdessen empfehlen wir, die Insel im Rahmen organisierter Schiffstouren oder privater Unternehmungen zu erkunden.

 

 

 

Bonaire – Die Natur der Insel und geeignete Landausflüge

Die Natur ist Bonaires wichtigstes und streng geschütztes Gut. Zur Bewahrung des Naturerbes wurden zwei Nationalparks und fünf Feuchtgebiete eingerichtet. Lohnenswert ist ein Besuch des 56 km² großen Washington Slagbaai National Parks. Der wurde bereits im Jahr 1969 als erster Naturpark in der Region der Niederländischen Antillen auf dem Gelände der Plantagen Washington und Slagbaai eingerichtet. Mangroven, Büsche und Bäume, Säulenkakteen, Salzseen mit Flamingos, Dünen und Strand bestimmen das Landschaftsbild. Im Osten kommt raue Felsküste dazu.

Im Nationalpark wurden etwa 340 Pflanzenarten gezählt. Im Park leben scheue Flamingos und die bedrohte, streng geschützte Papageienart der Gelbschulteramazonen. Zwei Fahrstraßen führen durch den Park, von denen besonders die längere der beiden Routen zu empfehlen ist. Der Zutritt zum Naturpark kostet im Jahr 2016 25 US-Dollar.

Im Südwesten reicht das Goto Meer in den National Park hinein. Das „Meer“ ist eine ebenfalls von Flamingos bewohnte Salzwasser-Lagune. Dort bauen sie ihre Schlammnester und ziehen zwischen Januar und Juni ihre Jungvögel auf. Die Flamingos sind von einem Beobachtungsposten an der die Lagune tangierenden Straße gut zu beobachten.

Zum Schutz der Meeresfauna wurde im Jahr 1979 der Bonaire National Marine Park eingerichtet. Zum Schutz des Habitats wurden strenge Regeln erlassen. Nichts darf berührt oder aufgelesen werden und Harpunenfischen ist selbstverständlich verboten. Für den Zutritt zu der Unterwasserwelt zahlen Tagesbesucher 10 US-Dollar. Park-Ranger kontrollieren die Tauchplätze, und Dive-Instructors geben Orientierungskurse für das Verhalten über und unter Wasser.

Vor Kralendijk liegt in dem maritimen Schutzgebiet die bereits erwähnte sechs Quadratkilometer große, unbewohnte Insel Klein Bonaire. Von Kralendijk abgehende Boote bringen Besucher auf die Insel, die zudem ein Schildkröten-Schutzgebiet ist.

Im südlichen, flachen Teil der Insel befinden sich die zu Salinen ausgebauten ehemaligen Salzseen. Hier werden Massen des grobkörnigen Salzes gewonnen, das hauptsächlich für industrielle Zwecke eingesetzt wird. - Südlich der Salinen, liegt die große Lagune des Pekelmeers (Salz Meer). Im Pekelmeer Flamingo Sanctuary leben und brüten mehr als 10.000 Flamingos. Das Schutzgebiet darf ebenfalls nicht betreten werden; allerdings können die Vögel mit Ferngläsern von der Straße oder dem Pink-Beach-Abschnitt im Süden Kralendijks beobachtet werden. Auch Fischadler, Fregattvögel, Kormorane oder Reiher leben in dem Pekelmeer-Schutzgebiet.

Bonaire ist eine jener Destinationen, bei denen sich von den Reedereien organisierte Touren erübrigen. Außerhalb des Cruise Terminals warten bei Ankunft eines Kreuzfahrtschiffs, Taxifahrer mit Minibussen auf interessierte Gäste. Die Taxipreise sind reguliert: Eine vierstündige Taxifahrt über die gesamte Insel kostet bei vier bis fünf Personen im Taxi oder Minibus 50 US-Dollar pro Person.

Mit anderen Gästen teilen wir uns ein Taxi. Unser Fahrer Aythel wählt als Erstes die Nordtour. Er hält sich dabei offenbar an die Tour-Verläufe der „Schiffstouren“.

Sehenswert sind …

... die Höhen von Santa Barbara und der Ausblick über einen großen Teil der Insel.

 Buschwerk, imponierend hohe Säulenkakteen sowie Leguane und außerordentlich schöne, wilde Esel gibt es zu sehen;

... die 1.000 Steps

Die führen zu einem der bekanntesten Tauchgebiete der Insel. In Wahrheit sind es zwar nur 67 Treppenstufen, die hinunter zum Strand führen. - Taucher sollen diese Höhendistanz wie 1.000 Stufen empfinden, wenn sie nach ihren Tauchgängen mit vollständiger Ausrüstung vom Strand zurückkommen;

… das Goto Meer

Das liegt am Rande des National Parks Washington-Slagbaai. Es ist ein flacher Binnensee mit zerklüfteten Ufern und kleinen Inseln. In der Mitte des Gewässers halten sich viele Flamingos auf;

… die Kleinstadt Rincon

Der etwa 2.000 oder 3.000 Einwohner zählende Ort war ursprünglich Bonaires Hauptstadt. Zentraler Anlaufpunkt des Ortes ist die schöne Kirche. Außerdem gibt es einen Polizeiposten und eine Feuerwehrstation mit der holländischen Bezeichnung Brandweer;

… das Magazina di Rei

Das „königliche Lagerhaus“ entstammt dem Jahr 1824. Das Gebäude ist das zweitälteste Bauwerk der Insel. Das „Magazin“ ist ein Relikt der Sklavenzeit. Es diente zur Ausstattung der in den Salinen arbeitenden und lebenden Sklaven mit den notwendigen Artikeln des täglichen Lebens. – Die im Süden der Insel arbeitenden Sklaven, kehrten an Freitag-Nachmittagen zu ihren in Rincon lebenden Familien zurück, versorgten sich in dem Magazin und machten sich am Sonntag wieder auf den siebenstündigen Rückweg zu den Salinen;

… der Aussichtspunkt Seru Largu

 In Papiamentu, der auf Aruba, Bonaire und Curacao gesprochenen Kreolsprache, heißt das so viel wie „Großer Berg“. Auf der Anhöhe und vor dem Monument feiern am Silvesterabend Bonaires Bewohner den Übergang in das neue Jahr. Wir Touristen dagegen blicken von der Höhe auf Kralendijk und die vorgelagerte Insel Klein Bonaire. Das Monument trägt die in Papiamentu verfasste Inschrift Kristu Ayera Awe Semper. Die Worte bedeuten „Christus, gestern, heute und für immer“;

… die Salinen und Salzberge im Inselsüden

Ein US-Unternehmen gewinnt in großem Umfang Meeressalz und verlädt es auf Frachtschiffe. Die Salzpfannen und die weiß glänzenden Salzberge wirken gigantisch;

… die Slave Huts

Auch sie zählen zu den Sehenswürdigkeiten der Insel. Die unvorstellbar engen Hütten dienten jeweils mehreren Salinen-Sklaven in der Arbeitswoche als Unterkunft und Schlafmöglichkeit. In der Nähe der einfachen Häuser stehen vier Obelisken. Die wurden zu Navigationszwecken für die Schifffahrt errichtet;

… das Pekelmeer Flamingo Sanctuary

Neben Fischadlern, Fregattvögeln, Kormoranen und Reihern leben und brüten in dem Schutzgebiet mehr als 10.000 Flamingos. Besuchern ist es strikt verboten, das Schutzgebiet zu betreten. Die Vögel können mit Ferngläsern von der Straße aus beobachtet werden.

 

Kralendijk – Die Hauptstadt Bonaires

Kralendijk bietet seinen Gästen nur wenig Sehenswertes. Vom Schiffsanleger führt eine gepflegte, gepflasterte Uferpromenade zum Stadtzentrum.

Im Kralendijk Stadtzentrum finden wir …

… das Fort Oranje

 Rechts neben der Promenade liegt im leuchtend gelb angestrichenen Fort Oranje der Hof van Justitie. Die Einrichtung dient der Rechtsprechung auf den niederländischen, karibischen Besitzungen. Dazu gehören neben den ABC-Inseln noch Sint Maarten, Saba und Sint Eustatius;

… den Wilhelminaplein

Er ist alles in einem: Eine von Bäumen gesäumte Fläche, Versammlungsort und Marktplatz;

… das Terramar Museum

Das historische und archäologische Museum führt in die 7.000jährige Geschichte der Insel und des karibischen Raums ein. Ausstellungsstücke sind Steine, Muscheln, Werkzeuge, Keramiken unterschiedlicher Epochen.

... Weiteres

Diverse Bars, Cafés, Restaurants und Läden an der Wasserlinie sind die für Touristen ausschlaggebenden städtischen Ziele. Das Leben der Einwohner Kralendijks spielt sich dagegen in der dem Meer abgewandten Seite der Stadt ab. Dort liegen die Kirchen, der Sportplatz und die Supermärkte.

Bonaire – Gut zu wissen

Im Vergleich zu lebendigen, stark besuchten Kreuzfahrt-Destinationen der Karibik fällt Bonaire eher in die Kategorie der ruhigeren Ziele. Kralendijks Pier kann ohnehin nur ein 300-Meter-Kreuzfahrtschiff verkraften.

Wie bereits erwähnt, bedürfen Besucher der Insel Bonaire nach unserer Einschätzung keines der auf den Kreuzfahrtschiffen angebotenen Ausflüge. Stattdessen sollte man sich gemeinsam mit anderen Gästen einem der freundlichen Taxifahrer anvertrauen. Als individueller Fahrgast zahlt man meist weniger als für organisierte Ausflüge und durch den engen Kontakt zum Fahrer erfährt man viel Interessantes von der Insel. Die Umgangssprache ist Englisch.

Die anderswo im karibischen Raum häufig als störend empfundenen Nordost-Passatwinde fehlen auf Bonaire weitgehend. Das erklärt auch die mit 550 mm überaus geringe jährliche Niederschlagsmenge. Wenn Regen fällt, dann vor allem zwischen Oktober und Januar. Die Zahl der Regentage beträgt dann neun bis zehn Tage im Monat. In Abhängigkeit von der Jahreszeit liegt die Zahl der Sonnenstunden von sieben bis zehn Stunden.

Die höchsten Tagestemperaturen werden zwischen Juni und Oktober mit mehr als 30 Grad Celsius gemessen. Die Wassertemperaturen liegen das Jahr über bei etwa 27 Grad Celsius. Im September und Oktober erreichen sie sogar bis zu 29 Grad.

 

 

 

Bonaire – Land & Leute, Fakten

Die zu den Kleinen Antillen zugeordnete, 288 km² große Insel ist ein Teil des Königsreichs der Niederlande. Sie ist eine der von Aruba, Bonaire und Curaçao gebildeten ABC-Inseln.

Entdeckt wurden die ABC-Inseln im Jahr 1499 von den in spanischen Diensten stehenden Seefahrern Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci. Sie fanden auf den Inseln weder Bodenschätze noch andere Reichtümer vor. Zudem schienen sich die Eilande auch nicht für die Landwirtschaft zu eignen. So war es naheliegend, dass die Eroberer sie als „Islas Inútiles“ bezeichneten, was so viel wie „nutzlose Inseln“ bedeutet.

Nur etwa 18.000 Einwohner leben auf Bonaire. Ungefähr 10.000 Menschen wohnen in der Inselhauptstadt Kralendijk. Den Status einer Stadt besitzt ebenfalls die im Norden der Insel gelegene Gemeinde Rincon. Dort wohnen etwa 2.000 bis 3.000 Einwohner.

Seit dem 10. Oktober 2010 ist Bonaire eine „Besondere Gemeinde der Niederlande“. Staatsoberhaupt ist König Willem-Alexander. Vertreten wird er vor Ort durch einen Gouverneur.

Bonaire schien den Entdeckern „nutzlos“ zu sein. Das sahen die geschäftstüchtigen Holländer entschieden anders. Sie nutzten die natürlichen Salinen der Insel, um mit dem geernteten Meersalz Lebensmittel zu konservieren; und auch für die Keramik- und Glasproduktion taugte Bonaires Salz. Deshalb übernahmen die Niederlande im Jahr 1636 die Insel. Die Spanische Krone scheint das wenig gestört zu haben, da Bonaire ihr offenbar immer noch als „nutzlos“ galt. Später, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wurde Bonaire für eine Übergangszeit von Großbritannien annektiert. Mit dem Abschluss des „Pariser Friedens“, fiel die Insel wieder an die Niederlande.

Bonaire lebt vor allem von der Salzgewinnung und vom Tourismus. Kralendijk besitzt einen internationalen Flughafen, der direkt von Europa aus bedient wird. Viele der Besucher kommen ausschließlich des Tauchens wegen. Bonaire zählt weltweit zu den zehn schönsten Tauchgebieten. Etwa 300.000 Gäste reisen mit Kreuzfahrtschiffen während der Kreuzfahrtsaison an.

 

Geld/Währung

 Bonaires Währung ist ein Kuriosum. Obwohl Bonaire zum Königreich der Niederlande gehört, ist seit dem 1. Januar 2011 der US-Dollar das offizielle Zahlungsmittel der Insel.

 

Unser Bonaire Fazit

Nach unserer Einschätzung ist Bonaire unter den ABC-Inseln für „Otto Normal-Tourist“ die „bescheidenste“, weil ursprünglichste Insel. Um sie kennen und schätzen zu lernen, muss man aber kein Taucher und Schnorchler sein.


Autor: Karl W. P. Beyer