Grenada – Insel der Gewürze

Vor einem Besuch bietet es sich an, einen Blick auf die Website des kleinen karibischen Staats zu werfen (gopuregrenada.com). Mit gelungen Fotos und der Botschaft „Rhythms of Spice“ begrüßt Grenada seine Besucher. Das ist so gut gemacht, dass man sogleich neugierig auf die Insel wird.

Vermutlich liegt Ihr Kreuzfahrtschiff am Melville Street Cruise Terminal vor St. George’s. Von diesem Liegeplatz offenbart sich dem Kreuzfahrer ein schöner Blick auf die Inselhauptstadt. Die Häuser der 300 Jahre alten Stadt ziehen sich wie in einem Amphitheater den steil ansteigenden Hang hinauf. Dominiert wird die Stadtkulisse von einigen Kirchtürmen und vor allem von Fort George.

Weitere Liegeplätze werden im Inner Harbour und auf Reede bereitgehalten. Der Blick von dort ist nicht weniger schön. Die Hänge sind grün und mit Bäumen bewachsen. Es heißt, die Stadt gehöre zu den schönsten Hafenstädten der Karibik. Von oben gesehen, wirkt die Küste Grenadas zerklüftet. Vor St. George’s mutet der Küstenabschnitt jedoch beinahe lieblich an. Die sanften Buchten stimmen den Besucher auf einen schönen Tag ein. Es locken die Stadt und der südlich von St. George’s liegende Grand Anse Beach. Namhafte Medien haben ihn als einen der schönsten Strände der Welt bezeichnet. So weit möchten wir nicht gehen. Wie so oft liegt auch in diesen Dingen die Schönheit im Auge des Betrachters.

Grenada – St. George’s entdecken und am Grand Anse Beach baden

Grenada lockt mit üppiger tropischer Landschaft, einer historischen Stadt und einem außerordentlich schönen Karibikstrand. Was sollte man unternehmen, wenn das Kreuzfahrtschiff sein Tagesziel erreicht hat?

Wir empfehlen, einen Teil des Tages in dem nach König Georg III. benannten St. George’s zu verbringen, um Teile der Stadt auf eigene Faust kennen zu lernen. Den Rest des Tages sollten Sie sich unbedingt eine Pause am Strand der Grand Anse Bay gönnen. Einen wesentlich schöneren Strand werden Sie im Verlauf Ihrer Karibik-Kreuzfahrt wohl kaum zu sehen bekommen.

Grenadas Hauptstadt gehört zu den kleinen Hauptstädten dieser Welt. Gesicherte Erkenntnisse über die Größe der Stadt liegen nicht vor. Oft wird von 7.500 Einwohnern gesprochen. Eine Ansiedlung dieser Größe ist schnell zu erkunden. Zu Fuß oder mit dem regelmäßig verkehrenden Grenada Discovery Train lässt sich vieles entdecken. Auffällig sind vor allem die in den Farben des Regenbogens gestrichenen historischen Häuser mit ihren kunstvollen Eisengeländern vor den Balkonen.

Ein Blick auf die pittoreske Carenage ist unbedingt zu empfehlen. An diesem natürlichen, hufeisenförmigen Hafenbecken finden Sie den ältesten Teil der Stadt. Wenig jünger ist das Kopfsteinpflaster der Gassen. In den 200 Jahre alten Häusern finden Sie Läden mit dem üblichen Touristenplunder, ebenso wie Läden mit Gewürzen der Insel, Kunstgalerien und vieles mehr was das Herz begehrt. An Sonntagen sind die Läden leider geschlossen.

Den Weg hinauf zum Fort George sollten Sie unbedingt gehen. Die im Jahr 1705 fertiggestellte Festungsanlage ist heutzutage größtenteils für die Polizeibehörden reserviert. Viele der alten Anlagen sind noch intakt. Wie es sich für eine richtige Festung gehört, dürfen Kasematten, Wehrgänge und unterirdisch gelegene Räume besichtigt werden. Das Fort ist ein vorzüglicher Platz, um auf die Carenage und den Hafen zu blicken.

Zum sichelförmigen und etwa drei Kilometer langen Grand Anse Beach gelangt man mit dem Taxi oder mit dem Boot. Die Wassertaxis starten während der Touristensaison in der Nähe des Kreuzfahrt-Anlegers. Die Boote durchqueren die Grand Anse Bay in etwa 10 Minuten, bevor sie am einfachen Pier anlegen.

Am Strand erwarten den Gast Sonnenschirme, Liegen und gekühlte Getränke. Es gibt zu essen, Toiletten und einfache Duschen werden geboten. Ausreichend Platz für viele Besucher ist vorhanden. Diese liegen hübsch aufgereiht am Strand. Das Wasser ist kristallklar, sauber und warm.

 

 

Grenada – Landausflüge & Aktivitäten

Wem der Sinn nach mehr Land & Leuten und weniger nach Strand steht, dem bieten sich auf Grenada genügend Alternativen.

Den Grenada Discovery Train erwähnten wir bereits. Während der Touristensaison startet der Trolleyzug alle 45 Minuten zwischen 9:00 und 15:00 Uhr am Cruise Ship Terminal. Gehalten wird im Verlauf der Hop-On Hop-Off-Tour zuerst am Fort George und danach am Summer House. Dort bietet sich ein guter Blick auf die Carenage. Danach führt die Tour zum kleinen National Museum und weiter zum Herbert Blaize View Point. Im Fahrpreis von 19 US$ (2013) ist der Eintritt zum Museum und zum Fort George enthalten.

Die Märkte in karibischen Regionen sind außerordentlich sehenswert. Läuft Ihr Schiff an einem Samstag St. George’s an, dürfen Sie nicht versäumen, den Markt zu besuchen. Unter bunten Sonnenschirmen werden schöne, farbenfrohe exotische Früchte ausgestellt. In den Gewürzhallen gibt es kleine Gebinde mit Gewürzen der Insel zu kaufen. Willkommene Erinnerungsstücke an eine Karibikreise und gute Mitbringsel für die Daheimgebliebenen.

Über die Carenage, den großen, hufeisenförmigen Naturhafen berichteten wir bereits. Mit dem Taxi, mit dem Boot oder zu Fuß ist das Areal zu erreichen. Der Fußweg ist etwas für Härtetypen, da der Sendall-Tunnel durchgangen werden muss, der sich hinter der Pier-Anlage versteckt. Der Tunnel quert den Hügel, auf dem Fort George thront. Er ist angeblich nur 150 m lang. Dabei kann der Wanderer jedoch ins Schwitzen kommen, da Fußwege im Tunnel fehlen. Es empfiehlt sich daher dringend, rechts, d. h. dem Verkehr entgegen zu gehen. Unsere Gewährsleute berichten uns, dass gar nichts passieren könne. Die Autofahrer seien schließlich an die Fußgänger im Tunnel gewöhnt. Wir finden, das beruhigt ungemein.

St. George’s ist Bischofssitz. Katholische Kathedralen in der Karibik sind allgemein sehenswert. Leider wurde die St. George’s Cathedral durch den verheerenden Wirbelsturm Ivan im Jahr 2004 schwerstens beschädigt. Die Instandsetzung ist bis dato nicht abgeschlossen.

Nicht anders erging es der anglikanischen Kirche Saint Georges. Sie wurde gleich zweimal hintereinander in den Jahren 2004 und 2005 durch die Wirbelstürme Ivan und Emily zerstört. Nur eine Ruine kündet noch von der Kirche. Bislang wurde nur der Kirchturm wieder hergestellt.

Auch die presbyterianische Kirche Sankt Andreas fiel beiden Wirbelstürmen zum Opfer. Der Kirchturm ist teilweise funktionsfähig. An schönen Tagen werden die Messen im Freien und bei Schlechtwetter in der benachbarten Pfarrei abgehalten.

Ziele außerhalb von St. George’s:

Fort Frederick. Es liegt ca, zwei Kilometer oberhalb von St. George’s. Errichtet wurde es im Jahr 1700 von den französischen Besatzern. Seine Höhenlage ermöglicht sehr schöne Blicke aufs Meer und über große Distanzen nach Norden und Osten.

In der Nähe des Forts liegt Bay Garden. Die privat betriebene Gartenanlage ist besser anzusehen als der öffentliche Botanische Garten. Der Eigentümer höchstpersönlich, Mr. St. Bernard, führt durch die Anlage und erklärt die einzelnen Pflanzenarten.

Nicht allzu weit (15 km) fährt man bis zum Grand Etang Lake Nationalpark im Inneren der Insel. Der Grand Etang ist ein Kratersee. Dichter Regenwald, Wasserfälle, heiße Quellen und Plantagen erfreuen die Besucher. Unerwünschte Residenten wie giftige oder gefährliche Tiere fehlen völlig.

Touren werden zur im Nordosten der Insel gelegenen River Antoine Rum Distillery angeboten. Sie liegt in der Nähe des Lake Antoine. Die älteste Brennerei im karibischen Raum hat ihre traditionellen, wenn nicht archaischen Methoden der Rum-Herstellung bewahrt. Besuchern wird die Möglichkeit zur Besichtigung und zur Verkostung geboten.

Weitere Strände neben dem beschriebenen Grand Anse Beach sind der nur durch eine Landzunge von Grand Anse getrennte Morne Rouge Beach. Im Nordosten der Insel liegen die ebenfalls empfehlenswerten Strände zwischen der Levera Bay und der Grenada Bay. Ihr Manko ist die beachtliche Entfernung von St. George’s.

Die Reedereien der Kreuzfahrtschiffe lassen es sich nicht entgehen, zu all diesen Zielen gut organisierte Tourvorschläge vorzulegen. Grenada ist ein Tagesziel, an dem voll auf die Fähigkeiten der örtlichen Tourveranstalter gebaut werden darf. Im modernen Cruise Terminal werden den Gästen gute Vorschläge zu preiswerten Touren unterbreitet.

Grenada – Gut zu wissen

Obgleich Grenada als geschützt vor Hurrikanen gilt, wurde die Insel in den Jahren 2004 und 2005 von Wirbelstürmen stark getroffen. Die Stürme verursachten immense Schäden. In der Hauptstadt wurden 95 % aller Häuser zerstört oder beschädigt. Noch heute sind das demolierte Insel-Parlament und andere schwerwiegende Schäden zu sehen. Mehr als 35 Menschen verloren durch „Ivan“ ihr Leben. Zu Bruch gingen auch die Trinkwasser- und die Stromversorgung. Auf Ivan folgte Emily. Dieser Sturm schädigte vor allem die Landwirtschaft, indem er zahlreiche Muskatnussbäume vernichtete.

Was sollte der Besucher noch wissen? Die durchschnittlichen Temperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 24 bis 30 Grad. Die stetig wehenden, kühlenden Passatwinde sorgen für ein angenehmes Empfinden der Wärmegrade. Das Thermometer misst zwischen November und Februar die niedrigsten Grade. Noch etwas kühler ist es in den Höhenlagen des Landes. Zwischen Januar und Mai fallen die wenigsten Niederschläge. Die Regenzeit fällt in die Monate zwischen Juni und Dezember. In dieser Zeitspanne regnet es allerdings nicht jeden Tag. Auch dauern die Regenfälle selten länger als eine Stunde.

Die Amtssprache ist Englisch. Daneben werden zwei kreolische Dialekte gesprochen.

Die Landeswährung ist der East Caribbean Dollar. Der US-Dollar und gängige Kreditkarten werden beinahe überall akzeptiert.

Wer während des Aufenthalts auf der Insel ein Auto mieten möchte, muss sich eine lokale Fahrerlaubnis besorgen. Die erhält man gegen eine angemessene Gebühr entweder im Verkehrsamt der zentralen Polizei an der Carenage oder bei den meisten Autovermietern. Auf Grenada wird links gefahren.

Auf Restaurantumsätze wird eine 8%ige Mehrwertsteuer erhoben. Ein Bedienungsaufschlag in Höhe von 10 % kommt meistenteils hinzu.

Leitungswasser wird als hygienisch sicher bezeichnet. Empfehlenswerter ist Trinkwasser in Flaschen.

Keine namhafte Gesellschaft lässt es sich entgehen, ihre Schiffe nach Grenada zu schicken. AIDA, Celebrity Cruises, Costa, Holland America Line, MSC, Ponant, Princess Cruises, TUICruises und andere mehr, sie alle präsentieren ihren Gästen die interessante Insel.

 

 

 

Grenada – Land & Leute, Fakten

Die Inseln Grenada, Carriacou und Petite Martinique bilden den 346 km² großen Inselstaat Grenada. Sie gehören zur Gruppe der Grenadinen-Inseln. Die wiederum zählen zu den Kleinen Antillen. Kolumbus entdeckte Grenada im Jahr 1498. Ab 1649 erwarben französische Händler Land auf der Insel. Bald darauf übernahm französisches Militär die Insel und rottete die indigene karibische Bevölkerung beinahe vollständig aus. Knapp 150 Jahre lang war Grenada ein Zankapfel zwischen Frankreich und England. Im Jahr 1795 ging das Land auf England über. Der Status einer Kronkolonie wurde der Insel im Jahr 1877 zuerkannt. Unabhängig wurde Grenada im Jahr 1974.

Grenada ist eine konstitutionelle Demokratie. Das Land ist Mitglied im Commonwealth of Nations. Staatsoberhaupt ist die englische Königin. Sie wird durch einen Generalgouverneur vertreten. Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangte Grenada im Jahr 1983 als nach einem Staatsstreich die USA intervenierten.

Im Jahr 2012 wurden auf Grenada 107.850 Einwohner gezählt. Die meisten Menschen, nämlich 37.000, leben im Großraum der Inselhauptstadt St. George’s.

Die Insel machte sich einen Namen als Gewürzinsel. Alle möglichen exotischen Gewürze werden angebaut; hauptsächlich werden Muskatnüsse erzeugt. Zwanzig Prozent der weltweit geernteten Muskatnüsse kommen von Grenada. Da wundert es nicht, dass es die kleine Gewürzfrucht sogar auf die Landesflagge gebracht hat.

Muskatnüsse machen nicht reich. Nach Angaben des Deutschen Auswärtigen Amts gehört Grenada mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von etwas mehr als 6.000 Euro pro Jahr zu den wirtschaftlich schwächeren Staaten der östlichen Karibik. Die Wirtschaft stagniert seit der internationalen Finanzkrise. Die Arbeitslosigkeit dürfte 25 % betragen. Es ist ein Segen für das Land, dass der Tourismus in Verbindung mit anderen Dienstleistungen 80 % des BIP erwirtschaftet. Vom Tourismus partizipiert vor allem die Region um St. George’s. An manchen Tagen legen bis zu vier Schiffe an.

Unser Fazit

Grenada ist ein Tagesziel, das wir auf Karibik-Kreuzfahrten nicht missen möchten.

 


Autor: Karl W. P. Beyer