Grand Turk – Kaum mehr als ein Badeziel

 Wenig mehr als 1.000 Kilometer liegen zwischen Miami/Florida und den 40 Turks & Caicos-Inseln, von denen lediglich acht Inseln bewohnt sind. Markenzeichen beider Inselgruppen sind schöne Strände, gute Tauchreviere mit streng geschützten Korallenriffen sowie diverse Wassersportaktivitäten. Auf insgesamt 497 Quadratkilometern Fläche leben etwa 30.000 Einwohner. Der Verwaltungssitz beider Inselgruppen ist die 18 km² große Insel Grand Turk mit dem Hauptort Cockburn Town.

Im Saisonverlauf besuchen beinahe täglich zwei große Kreuzfahrtschiffe, überwiegend Marken der Carnival-Gruppe, Grand Turk. Die Schiffe docken im Süden der etwa 10 km langen und maximal 3 km breiten Insel. Vom Aussichtsdeck des ankommenden Schiffes ist die flache Insel gut überschaubar. In Hinblick auf die Größe Grand Turks stellt sich der Besucher die Frage, was es dort wohl zu sehen und zu erleben gibt.

Grand Turk – Landausflüge

Im Norden Grand Turks steht auf einer Anhöhe das weiß angestrichene Grand Turk Historic Lighthouse. Der 18 Meter hohe Leuchtturm wurde 1852 in London aus Gusseisen gefertigt und per Frachtschiff nach Grand Turk gebracht. - Carnival hat das Leuchtturm-Areal von der Inselregierung gepachtet und in ein Freizeit-Projekt mit Klettergarten, Restaurant, Andenkenladen und kleinem Museum umgewandelt. Erwachsene zahlen drei US-Dollar Eintritt, für Kinder werden zwei US-Dollar Eintritt verlangt. Wir bezweifeln, dass das Areal den Eintritt wert ist.

In der Mitte der bohnenförmigen Insel liegt Cockburn Town, die „Hauptstadt“ der Turks & Caicos. Wenige Straßen und eine Anzahl Gebäude bilden den Ort. Parallel zum Meer verläuft die Front Street, die Hauptstraße der Stadt. Mehrere der an der Front Street gelegenen Häuser stammen aus dem 19. Jahrhundert. Hinter den Häusern liegen vom Unkraut überwucherte, ungepflegte Grundstücke, für die sich dann und wann ein verwilderter Esel interessiert.

Als sehenswert werden Her Majesty’s Prison, das Gefängnis aus der Kolonialzeit und das Turks & Caicos National Museum gepriesen. Beiden können wir nur wenig abgewinnen.

Im Norden der Stadt erstreckt sich nahezu über die gesamte Inselbreite Town Pond, eine stillgelegte Saline.

Verborgen bleiben dem Tagesgast die guten Tauchgründe der Insel. Die meisten liegen vor der Westküste. Einen besonderen Reiz übt auf Geräte-Taucher die Grand Turk Wall aus. Sie ist ein 400 Meter vom Ufer entferntes und unvermittelt auf mehr als 2.000 Meter Tiefe steil abfallendes Tauchrevier.

In eineinhalb Kilometer Entfernung liegt im Osten Grand Turks das knapp drei Hektar große Eiland Gibbs Cay. Sein Beiname lautet Stingray City. Der Name lässt bereits auf die Besonderheit der Sandinsel schließen. Sobald sich ein Boot mit Besuchern nähert, kommen die großen, eleganten Stachelrochen angeschwommen. Angelockt werden sie mit Fischen und anderem Seegetier. Den Besuchern gelingen beim Festmahl der Rochen im seichten, warmen Wasser garantiert schöne Fotos.

Im Kreuzfahrt-Zentrums wird eine verkleinerte Nachbildung der Mercury Friendship 7-Raumkapsel gezeigt. Mit der ging der US-Astronaut John Glenn im Jahr 1962 nach dreimaliger Erdumrundung vor Grand Turk im Atlantik nieder. Bereits von 1950 an betrieb die US-Raumfahrtbehörde im südlichen Teil der Insel eine Raumschiff-Leitstelle. Ein paar Monate später landete auch der Astronaut Scott Carpenter mit einer weiteren Raumkapsel vor Grand Turk. Informationstafeln weisen im Cruise Center auf die in damaliger Zeit bedeutsamen Ereignisse hin. Eine weitere Nachbildung der Kapsel, diesmal in Originalgröße, steht am Eingang zum Flughafen von Grand Turk.

 

 

 

 

Grand Turk - Lazy in the sun

Mangels attraktiver Aktivitäten zieht es viele Tagesgäste an den Strand. Den Kreuzfahrtschiffen gegenüber erstreckt sich unterhalb des Cruise Terminals feinsandiger, weißer Strand. Die dort aufgestellten Sonnenliegen und die Sonnenschirme können ohne zusätzliche Kosten genutzt werden. Für alles andere muss gezahlt werden. Der Strandabschnitt geht über in Governor’s Beach, den schönsten Strand der Insel. Nach Süden schließt sich ein weniger frequentierter Küstenabschnitt an.

Wer nicht im Meer baden möchte, nutzt die weitläufige und gut ausgestattete Poolanlage des Cruise Centers. Selbst einen Surferlebnisse simulierenden „FlowRider“ gibt es.

Ein Magnet für viele „Kreuzfahrer“ ist die trendige Location Jimmy Buffet’s Margaritaville mit Bar, Restaurant und Ladenbereich. Ein Glas „Red Stripe Beer“ im Plastikbecher kostet im Herbst 2016 einschließlich Steuer und Bedienungsgeld 7,43 US-Dollar. In der 500 Meter entfernten Strandbar kostet ein Bier dagegen nur 3 US-Dollar. Trotz des Preisniveaus darf Jimmy Buffet’s sich nicht über mangelnden Zuspruch beklagen.

Grand Turk – Gut zu wissen

Seit einer Reihe von Jahren entwickeln oder unterhalten Kreuzfahrtunternehmen Privatinseln oder private Resorts in der Karibik. Half Moon Cay auf den Bahamas oder Amber Cove im Norden der Dominikanischen Republik stehen für Besitzungen der Carnival-Gruppe. Für Privatresorts gilt, dass die Gesellschaften ihre Gäste an deren Angebote binden möchten. Die Ziele mögen noch so schön und zudem bestens ausgestattet sein, der Gast wird in solchen Fällen bevormundet.

Die Kreuzfahrt-Destination Grand Turk entstand ebenfalls auf Initiative eines Kreuzfahrt-Unternehmens (Carnival); dort jedoch ist der Tagesgast nicht allein auf die Angebote eines Kreuzfahrtunternehmens angewiesen.

Nach unserer Einschätzung bedürfen Besucher Grand Turks keines der auf den Kreuzfahrtschiffen angebotenen Ausflugspakete. Vor dem Grand Turk Cruise Center warten Sammeltaxen. Die Fahrer bringen die Individualgäste für kleines Geld zu den wenigen Sehenswürdigkeiten der Insel. Von den Taxifahrern erfährt der Gast allerlei Wissenswertes über die Insel. Die uns niedrig scheinenden Taxipreise werden von den Behörden geregelt.

Die Umgangssprache auf Grand Turk ist Englisch.

Obwohl die Turks & Caicos-Inseln der Karibik zugeordnet werden, ist es auf Grand Turk wesentlich trockener als auf den karibischen Inseln. Im Zeitraum September bis November fallen die meisten Niederschläge. Die monatliche Regenmenge beträgt allerdings nur 60 bis 100 mm im Monat. In der trockenen Jahreszeit sind es dagegen nur 20 bis 30 mm Niederschlag pro Monat. Zwischen April und Oktober pendelt die Temperatur um 30 °Celsius. In der übrigen Jahreszeit zeigt das Thermometer durchschnittlich 28 °Celsius an. Im Jahr werden 350 Sonnentage gezählt.

 

 

Grand Turk – Land & Leute, Fakten

Die Turks & Caicos-Inseln sind eines von 14 britischen Überseegebieten. Staatsoberhaupt ist die englische Königin. Vor Ort wird sie durch einen Gouverneur vertreten.

Die Hauptstadt des Archipels ist Cockburn Town auf Grand Turk.

Manche Historiker waren überzeugt, Christoph Kolumbus habe die Insel im Verlauf seiner ersten Reise im Jahr 1492 entdeckt. Das ist jedoch durch nichts bewiesen. Ungeachtet dessen wurde das die gesamte Westküste von Grand Turk einschließende Naturschutzgebiet „Columbus Landfall Marine National Park“ nach dem großen Entdecker benannt.

Auf allen bewohnten Inseln der Turks & Caicos leben nach Behördenangaben nur etwa 30.000 Menschen.    

Wirtschaft und Finanzen der Inselgruppe sind hauptsächlich vom Tourismus abhängig. In geringerem Umfang werden Fisch und Meeresfrüchte verarbeitet und exportiert. Kaum zu glauben: Auf Grand Turk werden Off-Shore-Finanzdienstleistungen erbracht. Zusammen mit anderen Gebieten der British Virgin Islands findet sich Grand Turk auf einer im Jahr 2016 von der EU-Kommission vorgelegten Negativliste der Steueroasen wieder.

Ungefähr eine Million Gäste reisen jährlich mit Kreuzfahrtschiffen während der Kreuzfahrtsaison an. Die Reedereien sind verpflichtet, pro Passagier und Crewmitglied 30 US-Dollar Abgabe entrichten. Der Inselhaushalt wird im Wesentlichen aus diesen von den Kreuzfahrtschiffen generierten Einnahmen getragen. Einkommensteuern werden nicht erhoben.

Geld/Währung

Eine Kuriosität des britischen Überseegebietes ist, dass der US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel für die Turks & Caicos übernommen wurde.

Unser Fazit

Um Grand Turk schätzen zu lernen, sollte man Taucher und Schnorchler sein. Die Insel konnte uns nicht begeistern. Wir bevorzugen eher die traditionellen, landschaftlich abwechslungsreicheren karibischen Inseln unter und über dem Winde.

 


Autor: Karl W. P. Beyer