Curaçao – Das Schwergewicht der niederländischen ABC-Inseln

Im ausgehenden 15. Jahrhundert entdeckten europäische Seefahrer die Neue Welt. Unter ihnen waren der Spanier Alonso de Ojeda und der Florentiner Amerigo Vespucci. Ihnen verdankt Europa die Kenntnis der ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao.

Curaçao ist die größte der ABC-Inseln. Wie ihre beiden Schwestern entspricht sie nicht unbedingt dem Klischee einer Antilleninsel, die wir uns allgemein mit schönen, von Kokospalmen gesäumten Sandstränden, Regenwäldern und erloschenen Vulkanen vorstellen. Stattdessen nehmen wir Curaçao als karges, trockenes und mit Säulenkakteen bestandenes Land wahr. Kein Wunder, dass die Entdecker die ABC-Inseln ursprünglich für „Islas Inútiles“, also „nutzlose Inseln“ hielten.

Curaçaos Inselhauptstadt Willemstad

Im Jahr 1634 wurde an Curaçaos Naturhafen Schottegat mit dem Bau einer Festung begonnen. Um das „Fort Amsterdam“ genannte Bauwerk herum entwickelte sich Willemstad zu einem von den Niederlanden beeinflussten Hafen, Handelsstützpunkt und Verwaltungszentrum. Über die folgenden 200 Jahre war die Stadt das Zentrum des karibischen Sklavenhandels.

Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden vier historische Stadtteile mit vielen Beispielen repräsentativer holländischer, karibischer und südamerikanischer Kolonialarchitektur. Viele der Bauten wurden im Curaçao-Barockstil mit geschwungenen holländischen Giebeln errichtet.

Die UNESCO adelte die Altstadtbereiche im Jahr 1997 mit der Aufnahme in das Weltkulturerbe. Weder die im Hafengelände arbeitende Erdölraffinerie, noch die das historische Zentrum teilende Königin-Juliana-Hochbrücke hinderten die UNESCO an der Würdigung.

Kreuzfahrtschiffe mit dem Ziel Curaçao steuern Willemstad an, eine quirlige, attraktive und saubere Stadt. Behäbige Bauten, Klappbrücken und Märkte erinnern an das Mutterland. Allerdings widerlegen die farbenfrohen Häuser und die karibische Sonne den ersten Eindruck.

Die Größe der Insel legt es nahe, sich bei einem Erstbesuch vor allem mit Willemstad zu beschäftigen. Die Stadt ist nicht allein wegen ihrer vielfältigen Duty-free-Angebote und Casinos ein reizvolles Tagesziel. Für einen Stadtrundgang hält Willemstads Tourismusbüro einen nützlichen Faltplan bereit.



Willemstad – Sehenswerte Stadtteile und Bauwerke

Punda muss man gesehen haben

Willemstad wurde an Curaçaos großem Naturhafen, dem Schottegat, errichtet. Die Sint Annabaai verbindet das Schottegat mit dem Meer. Östlich der Sint Annabaai liegt Punda, Willemstads ältester Stadtteil.

Befestigungsanlagen

Beim Blick auf Punda springen Fort Amsterdam und die Befestigungen des Waterfort ins Auge. Fort Amsterdam schützte mit dem ihm gegenüberliegenden Rif Fort die Hafeneinfahrt. In Fort Amsterdam residieren heute der Gouverneur, Ministerien und öffentliche Verwaltungen. Im Innenhof des Forts steht Curaçaos ältestes protestantisches Gotteshaus.

Zum Schutz Pundas entstanden neben Fort Amsterdam zwischen 1826 und 1830 die Waterfort Arcades. Geplant waren sie als größer dimensioniertes Bollwerk; Finanznöte schrumpften den Bau. Heute nutzen Läden und Restaurants die Bögen der Waterfort, und im Hof der Anlage steht das Hotel-Hochhaus „Plaza“.

Pundas Prachtstraße Handelskade

Das Gebäudeensemble mit den repräsentativen Häuserfronten verläuft neben der Sint Annabaai und erinnert an Amsterdams Grachten. Meistfotografiertes Haus: Das 1708 entstandene Penha-Gebäude.

Jüdische Gotteshäuser

Die Mikve Israel Emmanuel Synagoge gilt als älteste, stets in Betrieb gehaltene Synagoge der westlichen Welt. Das 1732 begonnene Gotteshaus gehört zu den wesentlichen Touristen-Attraktionen der Stadt. An die Synagoge grenzt das Jewish Historical Cultural Museum.

Punda besaß am Wilhelminaplein noch eine zweite, schon lange aufgegebene Synagoge. Ihr Kennzeichen ist ein hoch aufragender Turm, den Besucher für ein christliches Gotteshaus halten könnten. Das Gebäude wird nach einer Restaurierung von der Staatsanwaltschaft genutzt.

Pundas Märkte

Der Schwimmende Markt – Auf dem von der Sint Annabaai abgehenden Wasserarm Waaigat verkaufen venezolanische Händler von ihren Booten Fische, Gemüse, Gewürze oder Obst. Da die Insel nicht genügend Anbaufläche für Gemüse und Gewürze besitzt, übernehmen die vom 60 Kilometer entfernten Venezuela kommenden Händler die Versorgung Curaçaos.

Der Central Market - An den „Floating Market“ schließt der Rundbau des Central Market an. Dort kauft man Artikel des täglichen Bedarfs, Werkzeuge, Kleidung aber auch Souvenirs und andere Mitbringsel.

Das Plasa Bieu
Im ehemaligen „Old Market“, der Plasa Bieu, wird Gästen und Einwohnern die traditionelle, authentische Küche Curaçaos geboten. Gekocht wird an diversen Kochstellen. Gegessen wird an einfachen, mit Wachstüchern bedeckten Tischen.

Der Wilhelminaplein

Pundas zentraler Platz mit schattenspendenden Bäumen, Bars, Restaurants und Spielmöglichkeiten für Kinder ist der Wilhelminaplein.

 

 

Willemstads gutbürgerlicher Stadtteil Scharloo

Der Wasserarm Waaigat trennt Punda vom nördlich gelegenen Bezirk Scharloo. Ursprünglich wohnten dort wohlhabende Bürger. Zwei Häuser ragen aus den Kolonialbauten jener Zeit heraus …

… das Bolo di Bruit, das „Hochzeitskuchen-Haus“. Der Bau wird heute als Nationalarchiv genutzt; er gehört zu den meistfotografierten Gebäuden der Stadt.

… das Curaçao Maritime Museum. Es liegt in der van den Brandhofstraat. Das Museum steht für die 500 Jahre währende maritime Geschichte Curaçaos. Seekarten, nautisches Equipment, Schiffsmodelle und audiovisuelle Techniken zeichnen das Museum aus.

Willemstad Otrobanda - Die andere Seite

Östlich des Sint Annabaai-Stichkanals liegt Punda. Als dort der Siedlungsraum nicht mehr ausreichte, entstand westlich des Kanals von 1707 an der Stadtteil Otrobanda, was so viel wie „auf der anderen Seite“ hieß.

Die Gegend war zuletzt ein Problemviertel. Die Wende brachte im Jahr 2001 der niederländische Unternehmer und Philanthrop Jacob Gelt Decker. Er kaufte und sanierte mehrere Straßenblocks. Den Komplex des Kurá Hulanda Museums und des verbundenen 4,5* Hotels Kurá Hulanda sollten Besucher genießen. Schöne farbige Häuser, schmale, gepflasterte Gassen, kleine Plätze, schattenspendende Bäume, Restaurants und vieles mehr bilden eine Stadt in der Stadt. Das Museum informiert über die Sklaverei und den Sklavenhandel auf Curaçao.

Auf der UNESCO Welterbeliste steht das Rif Fort. Es wurde in den späten 1820er-Jahren gegenüber Fort Amsterdam errichtet. Anderthalb Meter dicke Wände aus Korallenkalk und 56 Kanonen sollten die Hafenzufahrt von Westen schützen.

Das Fort wurde in den letzten Jahren vorbildlich saniert. Genutzt wird es von Ladengeschäften und gastronomischen Einrichtungen. Die Festungsmauern können bestiegen werden. Sie geben einen Blick in den Innenhof des Forts frei.

In der benachbarten Renaissance Shopping Mall finden sich mehr als 50 Geschäfte bekannter Luxusmarken sowie gastronomische Betriebe und ein Casino. - Willemstad ist allgemein ein gigantisches Shopping-Paradies.

Bemerkenswert ist die Otrobanda mit Punda verbindende Königin-Emma-Pontonbrücke. Die Schwimmbrücke wird für jedes die Sint Annabaai durchfahrende Schiff geöffnet. Bei geöffneter Brücke transportieren zwei Fährschiffe die Fußgänger von der einen zur anderen Seite.



Curaçao – Gut zu wissen

Curaçaos Hauptort ist Willemstad. Das zählt einschließlich der Vororte mehr als 100.000 Einwohner.

Willemstad hat zwei Kreuzfahrt-Terminals. Kleine Kreuzfahrtschiffe legen an der Mathey Werf in der Sint Annabaai gegenüber der Handelskade an; große Schiffe docken am Mega Pier.

Curaçao lässt sich von mit Kreuzfahrtschiffen angereisten Besuchern nicht innerhalb eines Liegetages entdecken. Neben Willemstads Attraktionen gibt es sehenswerte Ziele auch außerhalb der Stadt. Es sind die Nationalparks Sheta Boka und Christoffel, einige der mehr als 50 Landhäuser kolonialen Ursprungs oder das nur wenige Kilometer von Willemstad entfernte authentische Fischerdorf Boca Sami.

Willemstads Besucher bedürfen nach unserer Einschätzung keiner der von den Reedereien angebotenen Ausflüge. Für Erstbesucher ist es naheliegend, sich auf Willemstad zu beschränken. Sofern danach noch Zeit für eine einstündige Rundfahrt mit dem Taxi bleibt, sind als Ziele die nordwestlich von Willemstad gelegene Salina Sint Michiel mit den Flamingos, das noble Wohngebiet Blue Bay Resort und das urige Lokal Pirate Bay vor der Piscadera Bucht zu empfehlen.

Die niederländischen ABC-Inseln liegen „unter dem Winde“. Die dem Wind abgewandte Lage beschert Curaçao ein überwiegend schönes tropisches Klima. Die Durchschnittstemperaturen pendeln zwischen 27 und unter 30 °Celsius. Zwischen Oktober und Februar weist die Statistik jeweils über zehn Regentage mit der höchsten Regenmenge aus. Der geringste Niederschlag fällt in den Monaten März, April und Mai. Die relative Luftfeuchtigkeit pendelt durchgängig um 80 Prozent.

Willemstad lässt sich bequem mit der Trolley Train Tour entdecken. Die Rundfahrt beginnt an der Plaza Pier vor Fort Amsterdam. Die etwa 75-minütige Tour führt an den bekanntesten Attraktionen der Stadt vorbei; Erwachsene zahlen 25 US-Dollar.

 

 

Curaçao – Land & Leute, Fakten

Das nur 444 km² große Land Curaçao ist neben den Niederlanden, Aruba und Sint Maarten einer der vier autonomen Gliedstaaten des „Königreichs der Niederlande“. Die Insel hat eine eigene Währung und Nationalhymne. Staatsoberhaupt ist König Willem-Alexander. Vertreten wird er durch einen Gouverneur.

Die Länge der Insel beträgt etwa 60 Kilometer; die Breite misst bis zu 15 Kilometern. Die höchste Erhebung ist der 375 Meter hohe Mount Christoffel im gleichnamigen Nationalpark.

Die Einwohnerzahl Curaçaos wird je nach Quelle auf 140.000 bis 150.000 beziffert. Die meisten Menschen leben in Willemstad und seiner direkten Umgebung.

Die Entdecker der Insel sahen diese und die beiden anderen ABC-Inseln als „nutzlos“ an. Seitdem die niederländische Westindien-Kompanie die Insel im Jahr 1634 vereinnahmte, wird sie, von kurzzeitigen Intervallen englischer und französischer Herrschaft abgesehen, von den Niederlanden beansprucht.

Curaçao war ursprünglich das Zentrum des karibischen Sklavenhandels. Nach der Aufgabe der Sklaverei im Jahr 1863 verlor die Insel ihre wirtschaftliche Dominanz. Erst nach Ansiedlung einer Erdölraffinerie in Willemstad in den 1920er-Jahren ging es wirtschaftlich wieder aufwärts. Die wesentlichen Wirtschaftszweige der Insel sind die Lagerung und Verarbeitung von Erdöl, die Hafenwirtschaft - Willemstads Trockendocks zählen zu den größten des karibischen Raums - und der Tourismus. Außerdem gilt Curaçao als Offshore-Finanzplatz.

Die Amtssprache ist Holländisch. Das Englische ist weit verbreitet. Untereinander sprechen die Menschen die Kreolsprache Papiamentu.

Geld/Währung

Curaçaos Währung ist der Antillen-Gulden (ANG). Der US-Dollar sowie Kreditkarten sind weitverbreitete Zahlungsmittel der Insel. Der ANG ist an den US-Dollar gekoppelt. Umtauschkurs: 1 US-Dollar = 1,79 ANG.

Unser Curaçao Fazit

Willemstad, Curaçaos Hauptstadt, muss man gesehen haben. It’s more than a shopping mall.


Autor: Karl W. P. Beyer